· 

Erste Hilfe bei Angst - Dein Notfallkoffer

Hilfe, wenn es ernst wird – packe rechtzeitig deinen „Notfallkoffer“

 

Gut gerüstet lassen sich Angstanfälle zwar nicht unbedingt vermeiden, aber leichter überstehen. Sie werden damit gar nicht erst so riesig groß. Das schafft Erleichterung.

 

Deshalb möchte ich jetzt mit dir deinen persönlichen und individuellen „Notfallkoffer“ packen. Den solltest du dann natürlich auch immer dabei haben, damit du rechtzeitig handeln kannst, wenn die Angst wieder hochzukommen droht.

 

Aber zuerst einmal…. Was ist eigentlich der Nutzen von so einem Köfferchen. In deinen Koffer kommen verschiedenste Sachen rein, die dir helfen werden:

 

  • wieder in den gegenwärtigen Moment zu kommen
  • deine Wahrnehmung von den körperlichen Warnsignalen auf die äußere, tatsächliche Situation zu lenken
  • deine Atmung zu verlangsamen
  • wieder Kontrolle über deinen Körper zu bekommen
  • und auch über deine Emotionen

 

…..und damit den Anfall abzuschwächen, bzw., mit etwas Übung vielleicht sogar zu vermeiden.

 

Ziel ist es, der Angst nicht die Kontrolle zu überlassen, sondern nach und nach wieder selber die Führung zu übernehmen. Du sollst verstehen, dass du eben nicht hilflos ausgeliefert bist, sondern dir die Kontrolle wiederholen kannst. Stück für Stück. Dein Kopf wird klarer, dein Denken beruhigt sich und die körperlichen Reaktionen fahren herunter. Und mit der inneren Ruhe die dadurch langsam wiederkommt, werden sich auch die Emotionen beruhigen. Du fängst an, aus den Kreislauf zu unterbrechen, bist nicht mehr reaktiv und deiner Angst ausgeliefert, sondern hast plötzlich Hilfsmittel und Werkzeuge an der Hand, die dir helfen, mit der Angst anders umzugehen. Du wirst aktiv. Und mit jedem noch so kleinen Erfolgserlebnis kommt deine Sicherheit wieder zurück. Du fängst an zu glauben, dass du das Angstmonster besiegen kannst. Und mit diesem Glauben, mit deiner Überzeugung wird es keine Chance mehr haben.

 

Natürlich musst du dafür keinen Koffer im eigentlichen Sinne ständig mit dir herumschleppen, das geht auch anders. Das Schöne daran? ES WIRKT!  So ein gut gepacktes Köfferchen hat schon so manchen Angstanfall verhindert oder zumindest kleiner gemacht 🐎

 

Angstbesetzte Menschen geraten leicht in Abhängigkeit von anderen Menschen. Beispiele:

  • Du willst ins Gelände gehen. Aber alleine der Gedanke daran, mit deinem Pferd draußen unterwegs zu sein, so ganz ohne Begleitung, verstärkt die Angst ungemein. Du bist eh unsicher und blockiert, fühlst dich hilflos. In diesem Zustand kannst du dir nicht vorstellen, das alleine bewältigen zu können. Also suchst du dir nach Möglichkeit immer mindestens einen Mitreiter, der mit dir kommt. Das heißt aber, dass du dich vor allem nach anderen richten musst und immer weniger das machen kannst, was du möchtest. Findet sich keiner, dann gehst du lieber erst gar nicht raus.
  • Du willst aufsteigen und schon vorher geht dein Kopfkino los. Das ist seit dem letzten Sturz so, der gar nicht gut ausgegangen ist. Deine Gedanken drehen sich nur noch um das, was passieren könnte, dein Pferd reagiert natürlich, spannt sich genauso an und zappelt herum. Aufsteigen ist damit ausverkauft. Wenn keiner dabei ist, der das Pferd hält und dir Sicherheit gibt, dann steigst du einfach gar nicht mehr auf.
  • Du willst dein Pferd vom Paddock holen, das legt aber jedes Mal die Ohren an und klaut dir so die Butter vom Brot. Du wirst noch unsicherer und traust dich alleine schon gar nicht mehr richtig heran ans Pferd. Am liebsten ist es dir, wenn es von jemand anderem herausgeholt wird. Du kannst dein Pferd nur noch holen, wenn Menschen vor Ort sind, die auch dazu bereit sind.

 

Und mit jedem Mal, bei dem du dich nicht selber traust und auf Unterstützung wartest, gibst du ein Stück deiner Selbstbestimmung und deiner Freiheit ab. Und es kommt gerne noch etwas dazu, was nicht sehr hilfreich ist: das schlechte Gewissen, dass ständig andere für dich da sein müssen und sich vielleicht auch nach dir richten müssen. Die gesamte Situation ist verfahren.

 

Das erzeugt nochmal zusätzlich Druck, der letztlich die Angst nur noch verstärkt.

 

Der Notfallkoffer ist ein ideales Werkzeug, um aus genau dieser Abhängigkeit herauszukommen. Denn es kommen nur Dinge hinein, die du sowieso bei dir hast. Die du einsetzen kannst, wann immer du es brauchst. Er ist ein wichtiger Baustein, wenn du deine Selbstbestimmung zurückerobern möchtest. Das einzige was es braucht, ist vor allem Übung und etwas Geduld.