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Viel hilft viel??

Wissen ist Macht?

Mal wieder ein Thema, das mich beschäftigt: Wieviel Wissen muss man sich aneignen, um gut zu sein? Um eben zu wissen, was richtig oder auch falsch ist? Wieviele verschiedene Methoden, Herangehensweisen und Meinungen braucht man, um DAS Richtige zu finden.

 

Nunja...

Wissen, und dazu zähle ich auch Technik(en), ist natürlich erstmal wichtig. Die Basis von allem sozusagen. Es macht schon erstmal Sinn, zu lernen, wie geht man so grundsätzlich mit dem Pferd um. Was braucht es. Wie gehört es geputzt, gefüttert und versorgt. Wie führe ich es sicher und wie steige ich auf. Wie bekomme ich die Gänge rein und wie funktioniert die Bremse. Wenn diese Grundlagen einigermaßen sitzen, geht es weiter. Dann ist zunehmend Platz für immere feinere Arbeit. Sei es an Dressurlektionen, eine immer ausgefeiltere Springtechnik, oder der Schritt in die Freiarbeit. Kommunikation, Beziehung, Körpersprache sind die Themen, die immer wichtiger werden. Der Horizont öffnet sich, man wird offen für Neues und fängt an, alles wie ein Schwamm aufzusaugen. Schließlich will man ja weiterkommen.

 

Die Suche

Und dann fängt sie an, die Suche. Nach DER Methode. Nach DEM Puzzleteil, das noch fehlt zur idealen Verbindung. Zur perfekten Lektion oder zum absoluten Verstehen des Partners Pferd. Und so reiht sich Methode an Methode, Philosophie an Philosophie. Wie Perlen auf einer Schnur. Es gibt ja auch so viele davon. Aber.... welche ist denn nun passend? Richtig? Bringt mich weiter? Die mit Druck? Die mit Konditionierung? Energie? Freiheit? Gehe ich strategisch heran, oder doch lieber mit Gefühl? Mit beidem?

 

Fragen über Fragen

Es türmen sich immer mehr Fragen auf, mit jeder Antwort kommen neue. Gerade dann, wenn das Pferd mich vor ein Problem stellt, das an uns klebt wie Pattex, geht die Suche weiter und weiter. Irgendwann merkt man dann auch, dass keine Methode so richtig passt, dem nicht gerecht wird, die erhoffte Lösung doch nur 90prozentig ist. Also braucht es wieder Neue, das Wissen wird immer größer.

 

Verwirrung

Und genau das ist es, was ich dann erlebe. Verwirrung, das Wissen, die Methoden, die Herangehensweisen vermischen und verwischen.  Das, was eigentlich Klarheit schaffen soll, macht letztlich einfach unsicher. Denn....  mit dieser Vielfalt an Möglichkeiten, an ein und dasselbe Thema oder Problem heranzugehen, wird man irgendwann leicht überfordert. Zudem ist ja jede einzelne Art und Weise, da heranzugehen, DIE Richtige. Das versichern uns alle ihre Erfinder im Brustton der Überzeugung immer und immer wieder. Dann MUSS das ja auch die Richtige sein und funktionieren.

 

Ene, Mene, Muh...

Welches ist denn jetzt die richtige Methode? Die Nr. 1, die schon ganz gut ist, oder eher die Nr. 2, die auch nicht schlecht ist, aber der Nr. 1 irgendwie komplett entgegengesetzt ist. Das Erlernte überschneidet sich. Steht sich teilweise sogar entgegen. Immer mehr Verwirrung. Das Dumme ist nur... Pferde lieben Klarheit. Und die ist in weite Ferne gerückt.

 

Mein Weg, dein Weg

Ich habe mich vor langer Zeit von DER Methode verabschiedet. Denn eine Methode ist immer der Weg desjenigen, der sie erfunden hat. Und zwar GENAU seiner. Nur für ihn kann sie zu 100% passen. Für keinen sonst. Wie auch. Es ist SEINE Art und Weise, an die Dinge heranzugehen. Verstehe mich jetzt bitte nicht falsch. Ich sage damit nicht, dass das falsch ist. Oder richtig. Das ist es weder, noch. Es ist ganz einfach EINE Möglichkeit, die nie zu 100% deine werden kann.

 

Was tun, sprach Zeus...

So. Jetzt haben wir den Salat in Form von einem großen Wissensschatz. Was tun damit. Ganz einfach. Komme wieder bei dir an. Fange an, in dich hineinzufühlen und fange vor allem an, dich auszuprobieren. Spiele. Teste. Spüre, was dir und deinem Pferd Freude macht, was Verstehen und Verbindung erzeugt und "übersetze" all das Gelernte in deine Welt. Es geht nicht darum, sich die Art und Weise eines anderen anzueigenen. Das ist letztlich zum Scheitern verurteilt. Es ist allerdings völlig legitim und intelligent, sich das Wissen und die Erfahrung anderer zunutze zu machen. Und sich daraus die eigene Art und Weise zu basteln. Nur und wirklich NUR das kann dann für dich passend werden. Zu 100%.

 

Zurück zur Klarheit

Je mehr du herausfindest, was für dich passt, was dir Spass macht und liegt, desto mehr Sicherheit bekommst du wieder. Und mit der Sicherheit kommt die Klarheit zurück. Und wir wissen ja.... Pferde lieben Klarheit. Dein Pferd wird es lieben.

 

Wie erkennst du, ob es richtig ist, was du machst? Ganz einfach: durch zwei unbestechliche Instanzen, die dir zur Verfügung stehen:

 

1. Deine Intuition: Fühlt es sich gut an? Mach weiter. Spürst du Widerstand? Mach es anders

 

2. Die zweite und noch viel unbestechlichere Instanz? Dein Pferd. Das zeigt dir sofort, was passt und was nicht. Du brauchst nur aufmerksam sein.

 

Auch hier liegt der Weg, sind die Lösungen in dir. Du besitzt alles, um das Wissen für dich passend zu machen. Du musst es nur tun.