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Wenn der Fokus sich verändert...

Das Pferd im Mittelpunkt!

Bist Du bereit, mal eine neue Blickrichtung einzunehmen? Bereit etwas Neues zumindestens mal in Erwägung zu ziehen? Ich weiß, wir Menschen haben es oft nicht so mit Veränderung. Und trotzdem wollen wir gerne viele Sachen anders haben. Eine Möglichkeit, die wir da haben ist, einfach mal den Blickwinkel zu ändern. Das bringt häufig völlig neue Erkenntnisse. Sollte Dir allerdings das, was Du dann siehst, nicht gefallen, kannst Du jederzeit zurück.

 

Das Pferd im Mittelpunkt?

Ich bin heute mal ganz mutig. Ich sage...NEIN! Oha! Geht ja gar nicht. Wie kann ich nur!! Es dreht sich alles um´s Pferd und so muss das auch sein. MUSS es das, frage ich zurück? Ganz ehrlich? Wenn ich einfach mal meinen gesunden Menschenverstand einschalte und das dann verbinde mit der Erfahrung die ich habe... komme ich zu einem völlig anderen Schluß.

 

Und wieder das Pferd!

Wir sind Reiter. Oder Freiarbeiter. Oder Freizeitpartner. Oder.... egal was, wir sind vor allem Eines  - Pferdemenschen. Menschen, die irgendwann einmal mit dem Pferdevirus infiziert worden und die dieser faszinierenden, einzigartigen und so unglaublich liebenswerten Kreatur hoffnungslos verfallen sind - dem Pferd. Edel, stolz, fein, manchmal auch eigensinnig und speziell. Für nichts in der Welt möchte ich das wieder hergeben. Irgendwie stehen sie natürlich im Mittelpunkt, unsere Tierchen. Sie brauchen unsere Zeit, unsere Fürsorge, wollen beschäftigt sein.

 

Nur das "Richtige"

Die "richtige" Haltung ist natürlich immens wichtig. Sie sollen sich ja wohl fühlen. Ausreichend Auslauf ist für ein Bewegungstier unerlässlich und die Kumpels für den sozialen Kontakt braucht es für das Herdentier auch. Die "richtige" Fütterung ist eh eine Herausforderung - mein Gott ist das Angebot groß. Und laut Hersteller immer "richtig". Der Sattel muss "richtig" sein, darf weder zwicken noch einengen. Der Stirnriemen muss genügend Platz lassen und das richtige Reithalfter...eine Philosophie für sich. Oder ist ganz ohne vielleicht eh besser??

 

Verantwortung

Der "richtige" Umgang ist so immens wichtig, es gibt so viel zu beachten, zu wissen und umzusetzen. Der Fokus ist voll und ganz auf das Pferd gerichtet. Ihm soll es gut gehen. Ist ja auch normal, oder?

 

Ja. Ist es. Schließlich haben wir ja eine Verantwortung für´s Tier. Es ist nämlich kein Tennisschläger, dem es egal ist, wie er behandelt wird und ob er im Eck liegt. Es ist unsere Pflicht, uns zu kümmern. Und das machen wir gerne. Mit Begeisterung und Leidenschaft.

 

So weit, so gut.

Wem erzähle ich das eigentlich? Ist alles wichtig. Aber jetzt nicht wirklich neu. Ja genau. Ich weiß.

 

Die für mich entscheidende Frage kommt jetzt: wenn das Pferd so unumstritten im Mittelpunkt steht, wo befindet sich denn dann der Mensch???

 

Und hier macht sich mein Bauch bemerkbar. Mit einem kleinen Grummeln. Oder doch einem größeren, wenn ich ehrlich bin. Irgendwie gerät er in diesem ganzen Spiel aus der Sicht. Da ja alle Augen auf dem Pferd ruhen.

 

Der gesunde Menschenverstand

Ja, der ist manchmal durchaus hilfreich. Vor allem, wenn es darum geht, Dinge neu zu verknüpfen und zu verstehen.

 

Aaalso...mal logisch an die Sache herangehen: Die meisten von uns kennen den gerne be- und inzwischen irgendwie ein bisschen abgenutzten Satz: "Dein Pferd spiegelt Dich." Ja. Das ist so. Wissen wir. Und? Ich erlebe häufig, dass die Leute diesen so immens wichtigen Satz nicht bis ins Allerletzte verstanden haben. Ja. Dein Pferd spiegelt Dich. In Allem. Alles, was Du an Deinem Pferd siehst, wie es aussieht, wie es sich verhält, wie sein Gefühlszustand ist, bist DU. Es RE-agiert auf dich. Folgt Dir. Es ist Dein Spiegel.

 

So. Jetzt stellen wir uns mal wirklich einen Spiegel vor. So in echt, mit Rahmen und Glas. Wenn wir uns vor ihn stellen, sehen wir uns selber. Und das was wir sehen gefällt uns nicht immer. Wer kennt das nicht.

 

Umbaumaßnahmen

Jetzt kann ich hergehen und den Spiegel umbauen. Einen anderen Rahmen dran machen. Ich kann ihn blank putzen, ihn pflegen bis zum Umfallen. In eine schönere Umgebung kann ich ihn auch stellen. Das kann ich alles machen mit dem Spiegel. Nur - was wird das am Spiegelbild ändern, das mir ja nicht so gut gefällt und das ich anders haben möchte? Du wirst es sichrlich schon selber erraten haben - null komma garnichts. Am Spiegel brauche ich nichts ändern. Er ist einfach nur ein Spiegel. Und wirft zurück, was auf ihn trifft.

 

Es gibt nur eine Möglichkeit, das Bild zu beeinflussen: Das Original muss sich verändern. Dann wird das Bild folgen.

 

Eine kleine Geschichte

Wie sieht das jetzt mit dem Pferd aus. Dazu eine kleine Geschichte. Von Tina und ihrem Pferd Susi (Namen frei erfunden). Tina arbeitet den ganzen Tag. Sie hat jeden Tag Streß mit dem Chef, der sie oft grundlos "runterlaufen" lässt. Mit Spaß geht sie schon lange nicht mehr zum Arbeiten. Sie steht das halt irgendwie durch. Und sie merkt, wie sie das Kraft und Energie kostet. Das ist sooo anstrengend. Und Motivation.... nicht vorhanden.

 

Nach der Arbeit geht Tina in den Stall. Zu ihrer Susi, die sie heiß und innig liebt. Nur seit einiger Zeit kann sie sich gar nicht mehr so richtig darauf freuen. Das braucht ja auch Energie. Und die hat sie im Moment einfach nicht. So kommt sie dann bei Susi an, die in ihrem Offenstall steht und nicht wirklich Motivation zeigt, sich zu bewegen. Zu Tina zu kommen. Sie muss sie holen und beide stapfen dann irgendwie lustlos zum Putzplatz.

 

Heute geht es in den Roundpen. Etwas Freiarbeit ist immer wieder gut. Und macht ja auch Spaß. Eigentlich. Susi ist nicht wirklich motiviert, sie schleicht um Tina herum. Ist nur durch das Winken mit der Peitsche überhaupt mal dazu zu bewegen, einen Schritt mehr und schneller zu machen. Sobald die Peitsche aber wieder sinkt, fällt sie wieder in ihren Trott. Tina denkt sich, Susi könnte sich doch freuen, dass sie laufen darf. Dazu auch noch frei. Sie könnt ihrem Frauchen das Leben echt etwas leichter und einfacher machen.

 

Nein. Kann sie nicht.

Wenn man einen Blick auf Tina wirft sieht man sofort die Übereinstimmung zwischen den beiden: hängender Kopf, in sich gekehrt, der Rücken krumm, keine Energie und schon gar keine Motivation. Ein bisschen betrübt. Susi kann nicht anders. Die Peitsche ist nur ein mechanischer Impuls, der aber an der gesamten Situation nichts ändern kann.

 

Die einzige Möglichkeit für eine echte Veränderung setzt bei Tina an. Nur wenn sie es schafft, ihre Freude wieder zu entdecken, ihre Kraft und Energie, dann wird wieder Motivation kommen. Bei Tina und bei Susi. Die Stute folgt ihrem Menschen in allem, was er ausstrahlt. Ob Tina bedrückt ist, oder freudig motiviert. Genau das wird von Susi zurückkommen. Sie ist Tinas Spiegel.

 

Zurück zum Ursprung

Wo gehört also angesetzt, wenn sich wirklich etwas ändern soll? Genau - da, wo der Ursprung des gespiegelten Bildes ist - am Menschen. Nur dann wird sich auch beim Pferd etwas ändern. Oft genug habe ich es erlebt. Und es kann so einfach sein und geht manchmal so schnell. Die Pferde merken eine Veränderung in uns sofort. Und reagieren. Und sind so dankbar.

 

Bringe Dich mit in den Mittelpunkt!

Ich behaupte, nein, ich weiß.... nicht nur das Pferd gehört in den Mittelpunkt. Der Mensch gehört genauso und fast noch wichtiger in den Fokus. Er ist der Ursprung von allem.

 

Außerdem - immerzu und alleine im Mittelpunkt zu stehen ist auch eine Form von Druck und kann sehr anstrengend sein. Aber mit jemandem zusammen zu stehen, vielleicht Schulter an Schulter, mit dem Blick in dieselbe Richtung statt frontal Auge in Auge.... mit jemandem, der bereit ist, genauso an sich zu arbeiten wie mit dem Pferd, wird es für alle Beteiligten leichter, einfacher, erfolgreicher.

 

Ändere an Dir, was Du am Pferd ändern möchtest

Das ist das ganze Geheimnis. Ich weiß, dass der Mensch viel zu sehr im Abseits steht, wenn es darum geht, die "perfekte" Beziehung zu seinem Pferd aufzubauen. Das kann und sollte sich ändern. Zur Erleichterung der Pferde und zur Weiterentwicklung der Menschen.

 

Das Ergebnis? Leichtigkeit, Spaß, Zufriedenheit. Auf beiden Seiten. Denn... ist der Mensch zufrieden und hat Spaß, dann ist es das Pferd auch. Das geht gar nicht anders. Das Ergebnis ist ein Team, das miteinander wächst und Aufgaben bewältigt - Ein Dream Team!